KLEPTOPLASTISCHE CHOREOGRAPHIE

 

Oel auf Leinwand, Masse je 105cmx125cm

 

Auf den ersten Blick scheint es, als ob sie sich durch einen Dschungel kämpften. Bei näherem Hinsehen befinden sie sich in einer Art Metamorphose, die wie eine Krankheit beginnt, mit Riesenpickeln oder Geschwulsten und in Keimlinge, Pflanzen und Ranken übergeht. Diese Auswüchse wirken gleichzeitig verstörend, belustigend und auch anmutig in ihrer Dynamik, gleich einem Tanz. Die Titel der einzelnen Bildsegmente sind deshalb dem Vokabular des klassischen Balletts entlehnt. CHASSÉ „gejagt, verfolgt“/ CONTRETEMPS „Zwischenfall“/ ENVELOPPÉ „eingewickelt“/ PLIÉ „gebeugt“.

Gleichzeitig spielt sich ein Drama ab, die Groteske einer noch nicht vollendeten Metamorphose. Und aus dem Gestaltenwandel gibt es kein Zurück (Tiere mutieren zu bizarren Kreaturen mit Blumenköpfen). Das in der Natur vorkommende Phänomen der Verwandlung von einem Tier in eine Pflanze ist hierbei noch eine Erwähnung wert. Die Wasserschnecke Elysia Chlorotica vermag diese körperliche Veränderung für ihr Überleben zu nutzen und mutiert zu einer nur noch von der Photosynthese lebenden Pflanze (Kleptoplasmus).

 

Zur Bildentwicklung

Die erste grundlegende Bildidee entstand ohne Plan. Als Inspiration dienten Fotos, Bilder und Zeichnungen aus dem ganzen grossen Angebot der Medienflut die im persönlichen Filter hängen geblieben sind. So kristallisierte sich aus unbedeutenden Details das Hauptthema der Arbeit heraus. Der Arbeitsprozess ist eine Bühne auf der alles offen ist. Nebendarsteller können plötzlich zu Hauptdarstellern werden und umgekehrt. Im fotorealistischen Medium wird gezeichnet, gemalt und retuschiert. Figuren und Gesichter sind ein Hybrid aus zahlreichen Fotos sowie gezeichneten und gemalten Teilen.                                                                               

Nach dem Prozess der Bildentwicklung erfolgt mit rein analogem Handwerk die Entdigitalisierung. Ursprüngliche mediale Zuordnungen verlieren so ihre Information. Die Vorlage wird ohne technische Hilfsmittel in klassischer Ölmalerei auf die Leinwand übertragen. Dabei wird ein vergrößerter Ausdruck der Vorarbeit in kleine Quadrate gerastert und auf der Leinwand Quadrat für Quadrat bearbeitet. Die Arbeit mit manuell aufwändigen Maltechniken wie Primamalerei und Sfumato erlauben eine mikrotonale Abstufung der Farbtöne und unterstützen so den fotografischen Duktus.

 

 

 

RECOMPOSED

 

Die Arbeit an der Werkgruppe  Recomposed  speist sich aus der Grundlage historischer Gemälde aus verschiedenen Epochen der Malerei und ist inspiriert von Arbeiten mit zeichnerisch und  koloristisch ausgeprägten Eigenschaften. Unter Verwendung von Illustrationen aus dem Genre der Pulp-Magazine und eigenen Bildimaginationen und Fotografien entsteht durch Zugeben und Weglassen oder das Brechen von Bildteilen ein experimenteller Hybrid. 

 

Recomposed ist eine Art Transkription des historischen Gemäldes in die Gegenwart. Gleichzeitig  soll damit auch ein wieder zu entdeckender Zugang zum originalen Bild oder seiner historischen, künstlerischen Ansicht hergestellt werden. Natürlich verfügen alle Bildvorlagen über ihre eigene Geschichte und Kontext. Das entstandene Bild trägt deshalb auch zusätzlich den Titel der originalen Quelle.

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                                                 ROCOCO ROBOTS

 

 

                                                                                                                    RECOMPOSED